Abschied vom Bock

Die 365 Tage als Kantonsratspräsident sind vorbei. Am 5. Mai 2025 hat mich der Rat gewählt; am letzten Montag, 4. Mai 2026, habe ich die Ratssitzung zum letzten Mal eröffnet. 

Nach meiner Schlussansprache durfte ich als letzte Amtshandlung die Wahl meiner Nachfolgerin über die Bühne bringen. Und den Silbernen Löwen zur Erinnerung an meine Amtszeit entgegennehmen. Nach 50 Ratssitzungen heisst es somit: Abschied nehmen.

Ich gratuliere der neuen Kantonsratspräsidentin Romaine Rogenmoser herzlich zur Wahl und wünsche ihr viel Freude, Gelassenheit und gutes Gelingen. Wir haben uns in den vergangenen Monaten gut kennengelernt. Deshalb bin ich überzeugt: Sie wird eine ausgezeichnete Präsidentin sein.

Bereits am letzten Donnerstag fand die 33. und letzte Sitzung der Geschäftsleitung unter meiner Führung statt. Nach der Sitzung im alten Rathaus an der Limmat feierten wir den Abschluss des Amtsjahrs bei einem Essen – mit Regierungspräsident Martin Neukom, Staatsschreiberin Kathrin Arioli sowie den Partnerinnen und Partnern der GL-Mitglieder.

Oft sind die Sitzungen der Geschäftsleitung anspruchsvoller zu leiten als die Ratssitzungen. Es ist also wie meistens in der Politik und im Leben generell: Die schwierige Arbeit findet abseits der Schaufenster statt. Warum ist das so?

In der GL sitzen die meinungsstarken (und redefreudigen) Fraktionspräsident:innen. Da kommt es regelmässig zum rhetorischen Schlagabtausch, den der Präsident am Ende wieder einfangen muss. Mein Ziel war immer, im Gespräch einen Konsens herbeizuführen oder – wenn nicht möglich –  den Willen der GL dank klar formulierten Alternativen in einer Abstimmung zu ermitteln.

Die Sitzungen des Kantonsrats demgegenüber sind viel durchstrukturierter. Sie folgen einer begrenzten Zahl von Varianten: Gesetzesvorlagen, Überweisung von Vorstössen, Abschreibung von Postulaten, Interpellationen und noch ein paar mehr. Letztlich läuft aber jede Variante geordnet nach einem bestimmten, immer gleichen Verfahren ab. Zudem spricht immer genau eine Person. Eigentlich kann man als Sitzungsleiter also gar nicht viel falsch machen.

Eigentlich. Denn die Kunst besteht darin, den Einsatz nie zu verpassen und sich von Ratsmitgliedern, die mit Anträgen, Wortmeldungen oder anderen Kreativleistungen zum Beispiel den Ablauf verzögern wollen, nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. 

Dafür ist es hilfreich, wenn man das Kantonsratsgesetz und das Reglement gut kennt. Mein Ziel war es zudem stets, nicht einfach stur die Standardformulierungen vorzulesen, sondern eine eigene und ab und zu auch humorvolle Note einzubringen.

Ich habe das Jahr auf dem Bock sehr genossen. Das Leiten der Sitzungen hat mir viel Freude gemacht. Und die Wertschätzung, die mir von vielen Mitgliedern des Rates entgegengebracht wurde, hat mich enorm gefreut. Es war mir eine grosse Ehre, dem Kantonsrat Zürich während eines ganzen Jahres vorzustehen.

Ein grosser Dank gehört auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser des «Blog vom Bock». Es ist grossartig, dass sich so viele Menschen für meine Texte interessierten. Es folgt auch noch etwas mehr. Denn ein Kantonsratspräsidium führt zu gewissen Nachwehen, weshalb in den nächsten Wochen noch einige weitere Beiträge erscheinen werden.

Also: Bleiben Sie mir gewogen. Ich danke Ihnen von Herzen.