Bannersaal, Debattenkultur und Andermatt: Besuch beim Urner Landrat

Das Rathaus in Altdorf – beflaggt mit der Zürcher und der Urner Fahne – hiess die Geschäftsleitung des Kantonsrats Zürich am 4. Februar 2026 willkommen.

Landratspräsident Ruedi Cathry und die Mitglieder des Ratsbüros begrüssten uns während der Sitzungspause im historischen Bannersaal. Dort hängen Fahnen, welche die Urner Truppen einst etwa zu den Schlachten am Morgarten oder bei Grandson mitführten: Geschichte mitten im aktuellen politischen Geschehen.

Der Höhepunkt des Tages folgte mit dem Besuch der Landratssitzung. Zur ordentlichen halbtägigen Sitzung, die ungefähr einmal pro Monat stattfindet, waren 63 von 64 Mitgliedern anwesend – eine bemerkenswerte Präsenz.

Was mir besonders aufgefallen ist:

  • Keine Redezeitbeschränkung: Es gibt keine formalen Redezeitlimiten. Das funktioniert (offenbar) dank Selbstdisziplin. Im Kantonsrat Zürich würde ich dieses Experiment nicht ohne Notfallplan empfehlen.
  • Sitzleder: Alle Mitglieder bleiben während der ganzen Sitzung an ihrem Platz. Das hat eine Nebenwirkung: Abstimmungen gehen extrem schnell (gefühlt zehn Sekunden). Und weil niemand „mal kurz raus“ kann, bleiben alle sitzen. Ein sich selbst verstärkender Effekt.
  • Hände hoch: Obwohl die Abstimmungsanlage ein elektronisches Anmelden erlaubt, melden sich die Ratsmitglieder mit Handerheben. Der Landratspräsident muss deshalb aufmerksam beobachten, wer sprechen will, und bestimmt die Reihenfolge – Reklamationen inbegriffen.
  • Kein Freipass: Selbst wenn der Regierungsrat mit einem Vorstoss einverstanden ist und aus dem Rat niemand opponiert, wird trotzdem über die Überweisung abgestimmt. Im Kantonsrat Zürich ist die “Entgegennahme” in solchen Fällen das effizientere Vorgehen.
  • Freigeister: Spannend fand ich auch: Ein Mitglied sprach ziemlich prononciert gegen eine Motion eines Fraktionskollegen – stimmte am Schluss aber doch dafür. Ein Zeichen für parlamentarische Kultur, die Kritik erträgt, ohne an Loyalität einzubüssen .
  • Fragen über Fragen: Jedes Ratsmitglied kann bis 24 Stunden vor der Sitzung eine schriftliche Frage an den Regierungsrat stellen, die mündlich beantwortet wird. Nachfragen sind nur möglich, wenn der Landratspräsident sie zulässt (wie das wohl im Kantonsrat Zürich enden würde….). Dafür darf das Ratsmitglied abschliessend festhalten, ob es mit der Antwort zufrieden ist oder nicht. Eine simple, aber vermutlich wirkungsvolle Form der Rechenschaftspflicht.

Insgesamt war ich beeindruckt von der diszipliniert und strukturiert geführten Debatte. Zahlreiche Wortmeldungen, klar vorgetragene Voten, aufmerksames Zuhören und erfreulich wenig Eitelkeiten ohne mehrfache Wortmeldungen und Repliken: Eine Debattenkultur, zu der man dem Urner Landrat nur gratulieren kann.

Und hier noch ein Blick ins Sitzungszimmer des Urner Regierungsrats.

Später ging es weiter nach Andermatt. Dort wurden wir über die Ortsentwicklung der letzten zwanzig Jahre informiert. Und über die ebenso beeindruckenden Zukunftspläne. 

Nach einem Rundgang durch die verschiedenen Dorfteile und einem abschliessenden Umtrunk ging es zurück nach Zürich: mit vielen Eindrücken und der Erkenntnis, dass in anderen Parlamenten vieles gleich und doch alles anders ist.

Vielen Dank, Ruedi, für den erlebnis- und erkenntnisreichen Tag!