«Wir geloben…»

Die Polizei erfüllt eine besondere Rolle in unserer Gesellschaft.
Sie schützt die öffentliche Ordnung und Sicherheit, verhindert Gefahren und verfolgt Straftaten. Vor allem sorgt sie dafür, dass die Gesetze, die Parlamente beschliessen, tatsächlich eingehalten und durchgesetzt werden. Kurz: Ohne Polizei bliebe das Gesetz ein gut gemeinter Ratschlag.
Umso mehr hat es mich gefreut, im September an gleich drei Vereidigungsfeiern der grössten Polizeikorps im Kanton Zürich teilzunehmen – für mich Verpflichtung und Vergnügen gleichermassen:
- Kantonspolizei Zürich, 12. September 2025, Fraumünster, Zürich
- Stadtpolizei Zürich, 19. September 2025, Fraumünster, Zürich
- Stadtpolizei Winterthur, 5. September 2025, Stadtkirche, Winterthur
An solchen Feiern nehmen zahlreiche Amtsträgerinnen und Amtsträger aus Politik, Verwaltung, Justiz und Militär teil. Auch wenn die Teilnahme offenbar nicht von allen Parteien als gleich relevant eingestuft wird – mir ist sie wichtig. Denn hier tritt das vielzitierte Gewaltmonopol des Staates nicht als Drohgebärde, sondern als öffentliche Selbstbindung auf.
Mit dem Polizeiberuf ist nämlich eine besondere Verantwortung verbunden. Sie verdichtet sich bei der Vereidigung in einem Gelübde. Bei der Kantonspolizei Zürich lautet es beispielsweise:
„Wir geloben der Regierung des Kantons Zürich Treue und Gehorsam zu leisten. Den Befehlen unseres Chefs und der übrigen Vorgesetzten gewissenhaft und mit Eifer nachzukommen. In unseren Angaben vor Behörden uns stets an die strengste Wahrheit zu halten. Verschwiegenheit über alles zu beobachten, was geheim zu halten und unsere Dienstpflichten gebieten. Die Übertreter der Gesetze und Verordnungen ohne Ansehen der Person zu verzeigen. Überhaupt unsere Verpflichtungen getreu zu erfüllen.“
Klingt nach altem Leder und polierten Helmen? Vielleicht. Inhaltlich steckt aber einiges drin:
- Treue und Gehorsam – nicht blind, sondern als Bindung an die verfassungsmässige Ordnung
- Wahrhaftigkeit – „strengste Wahrheit“ ist eine ziemlich radikale Ansage in einer Zeit, in der Halbwahrheiten Hochkonjunktur haben
- Verschwiegenheit – Datenschutz nicht als Floskel, sondern als Berufspflicht im öffentlichen Dienst
- Gleichbehandlung – „ohne Ansehen der Person“: Ein Satz, der Privilegien aller Art freundlich, aber bestimmt an die Tür begleitet.
Das Gelübde wird so nicht zur Nostalgie, sondern zum Kompass des rechtsstaatlichen Betriebssystems der Polizei.
Eindrücklich waren alle drei Feiern: Einmarsch und Musik der Korpsmusiken; feierliche Reden und klare Worte der Polizeikommandanten Marius Weyermann, Beat Oppliger und Anjan Sartory; ebenso die Ansprachen der politisch Verantwortlichen: Regierungsrat Mario Fehr, Stadträtin Karin Rykart und Stadträtin Kathrin Cometta.
Jede Feier hatte ihre eigene Note: In Winterthur etwa der Umzug durch die Strassen bis zum Stadthaus; bei der Kantonspolizei die Ausstellung auf dem Münsterhof zu ihren Abteilungen und Aktivitäten – Einblicke in den Polizeialltag für alle.
Rituale sind keine Dekoration. Sie sind die Momente, in denen Institutionen erklären, wofür sie stehen – sichtbar und überprüfbar. Vertrauen entsteht selten im Geheimen. Deshalb verpflichtet sich die Polizei nicht im stillen Kämmerlein, sondern vor aller Öffentlichkeit.
VIELEN DANK allen Polizistinnen und Polizisten für ihren täglichen Einsatz – und den neuen Kolleginnen und Kollegen einen guten Start auf einem anspruchsvollen und sinnstiftenden Berufsweg.
Photos: Kantonspolizei Zürich, Stadtpolizei Zürich, Stadtpolizei Winterthur, eigene Bilder











